Muskel-Skelett-Erkrankungen in Produktion, Fertigung und Logistik: Ursachen und wirksame Prävention

Muskel-Skelett-Erkrankungen gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Belastungen im Arbeitsleben. Besonders in Produktion, Fertigung und Logistik sind Mitarbeitende starken körperlichen Belastungen ausgesetzt. Dieser Artikel zeigt, welche Beschwerden am häufigsten zu Ausfällen führen, wie körperliche Belastungen im gewerblichen Arbeitsalltag entstehen und was Unternehmen tun können, damit Prävention auch bei den Mitarbeitenden ankommt, die sie am dringendsten brauchen.

Die wichtigsten 5 Punkte über Muskel-Skelett-Erkrankungen in Kürze

  1. Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) verursachen etwa jeden fünften Arbeitsunfähigkeitstag und mit 44,2 Milliarden Euro den höchsten Wertschöpfungsausfall aller Diagnosegruppen.
  2. Besonders teuer sind Schulter-, Bandscheiben- und Knieerkrankungen, weil ein einzelner Fall im Schnitt mehr als fünf Wochen Ausfall bedeutet.
  3. In Produktion, Fertigung und Logistik entstehen die Belastungen vor allem durch Heben, Tragen, repetitive Bewegungen, Zwangshaltungen und Vibration.
  4. Klassische BGM-Angebote erreichen gewerbliche Mitarbeitende selten, weil sie nicht zu Schichtarbeit und Arbeitsalltag in der Halle passen.
  5. Wirksam ist eine Kombination aus ergonomischer Arbeitsgestaltung und individueller Prävention direkt am Arbeitsplatz, abgestimmt auf die jeweilige Risikogruppe.

Was sind Muskel-Skelett-Erkrankungen und welche führen am häufigsten zu Ausfällen?

Muskel-Skelett-Erkrankungen umfassen Erkrankungen und Beschwerden des Bewegungs- und Stützapparates, also von Muskeln, Knochen, Gelenken, Sehnen und Bändern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt mehr als 150 verschiedene Krankheitsbilder dazu. Das Spektrum reicht von kurzfristigen Verspannungen bis zu chronischen Beschwerden, die dauerhaft Beweglichkeit und Kraft einschränken.

Im Arbeitsalltag gewerblicher Mitarbeitender konzentrieren sich die Beschwerden auf fünf Körperregionen:

  • Rücken und Lendenwirbelsäule
  • Schulter
  • Nacken
  • Knie
  • Hand und Ellenbogen

Diese Körperregionen werden in Produktion, Fertigung und Logistik durch typische Arbeitsbewegungen belastet, oft wird das Ausmaß erst spürbar, wenn es bereits zu spät ist. Dazu gehören Heben und Tragen, Arbeiten in gebückter oder kniender Haltung, Ganzkörpervibrationen, Überkopfarbeit und Arbeiten über Schulterhöhe sowie wiederholtes Greifen, Ziehen und Schieben. Auch eine lange gleichbleibende Kopfhaltung, der Blick nach unten am Montagetisch, häufiges Auf- und Absteigen von Fahrzeugen, repetitive Handgriffe, kraftintensive Werkzeuge und Hand-Arm-Vibrationen können den Körper stark beanspruchen.

Die mit Abstand häufigste Einzeldiagnose sind Rückenschmerzen. Danach folgen Schulterläsionen und Bandscheibenschäden. Gerade diese beiden sind für Arbeitgeber kritisch, weil ein einzelner Fall im Schnitt rund 37 bis 38 Tage und damit mehr als fünf Wochen Ausfall bedeutet. Bei einer Erkältung sind es etwa sieben Tage.

Muskel-Skelett-Erkrankungen Diagnosen

Für die Arbeitssicherheit kommt ein weiterer Aspekt hinzu. Mehrere dieser Erkrankungen können bei entsprechender beruflicher Belastung als Berufskrankheit anerkannt werden, darunter bandscheibenbedingte Erkrankungen der Lendenwirbelsäule durch Heben und Tragen, die Kniegelenksarthrose durch Knien und das Karpaltunnelsyndrom durch repetitive Handbewegungen.

Warum sind Muskel-Skelett-Erkrankungen für Produktion, Fertigung und Logistik so teuer?

Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) verursachen in Deutschland höhere wirtschaftliche Ausfälle als jede andere Krankheitsgruppe. 

Etwa jeder fünfte Arbeitsunfähigkeitstag geht auf Beschwerden an Rücken, Gelenken, Muskeln oder Sehnen zurück. Dabei schätzt die BAuA die Produktionsausfallkosten durch MSE für 2024 auf 26,1 Milliarden Euro. Der Ausfall an Bruttowertschöpfung liegt bei 44,2 Milliarden Euro, mehr als bei jeder anderen Diagnosegruppe. Darüber hinaus ist bei keiner anderen Krankheitsgruppe der Anteil an Langzeiterkrankungen über sechs Wochen so hoch.

Entscheidend ist also nicht nur die Häufigkeit, sondern auch die Dauer. Eine Erkältung ist nach wenigen Tagen überstanden. Ein Bandscheibenvorfall oder eine Schulterverletzung bedeuten oft mehrere Wochen Ausfall.

In Produktion, Fertigung und Logistik spüren Unternehmen das besonders deutlich. Wer täglich hebt, trägt, kommissioniert oder an der Linie steht, beansprucht seinen Bewegungsapparat stärker als Beschäftigte im Büro. Fällt ein erfahrener Kommissionierer oder Maschinenbediener für sechs Wochen aus, fehlt nicht nur eine Arbeitskraft. Schichten müssen umgeplant, Aushilfen eingearbeitet und Kolleginnen und Kollegen zusätzlich belastet werden.

Wie entstehen körperliche Belastungen im Arbeitsalltag gewerblicher Mitarbeitender?

Selten ist es die eine schwere Kiste, die zum Bandscheibenvorfall führt. Meist ist es die Summe aus vielen Bewegungen über Wochen und Monate. Entscheidend sind Gewicht und Kraftaufwand, aber genauso Häufigkeit, Dauer, Körperhaltung und fehlende Erholungsphasen.

Die BAuA unterscheidet in ihren Leitmerkmalmethoden sechs Belastungsarten, die in der Praxis fast nie einzeln auftreten:

  • Heben, Halten und Tragen
  • Ziehen und Schieben
  • Manuelle Arbeitsprozesse
  • Zwangshaltungen
  • Körperfortbewegung
  • Ganzkörperkräfte

Im Arbeitsalltag von Logistik und Produktion kann das zum Beispiel so aussehen:

Kommissionierung im Lager

Ein Kommissionierer arbeitet seine Pickliste ab. Die Ware liegt mal im untersten Regalfach knapp über dem Boden, mal auf Schulterhöhe oder darüber. Für jeden Artikel bückt oder streckt er sich, greift zu, dreht den Oberkörper zum Rollwagen und legt ab. Das wiederholt sich mehrere hundert Mal pro Schicht. Dazu kommt das Schieben des beladenen Wagens durch die Gänge. Eine Leistungsvorgabe lässt wenig Raum, die Bewegung bewusst rückenschonend auszuführen.

Wie stark die Greifhöhe die Belastung bestimmt, zeigt die typische Einteilung eines Regals in Greifzonen.

Muskel-Skelett-Erkrankungen Kommissionierung im Lager

‍Be- und Entladen am Wareneingang

Beim Entladen von lose verladener Ware im Container arbeitet der Mitarbeitende im engen Laderaum oft gebückt. Pakete mit wechselndem Gewicht werden vom Boden bis unter die Decke gestapelt oder heruntergeholt. Wie schwer das nächste Paket ist, merkt er erst beim Anheben. Zugluft und Kälte am Rolltor sorgen zusätzlich für verspannte Muskulatur.

Staplerfahren

Wer acht Stunden auf dem Stapler sitzt, ist ständigen Erschütterungen durch Hallenboden, Schwellen und Rampen ausgesetzt. Beim Rückwärtsfahren und beim Einlagern in hohe Regalebenen sind Kopf und Oberkörper stark verdreht. Das häufige Auf- und Absteigen belastet zusätzlich die Knie.

Montage an der Linie

In der Fertigung wiederholt eine Monteurin denselben Handgriff in kurzen Taktzeiten, hunderte Male am Tag. Die Arbeitshöhe ist fest eingestellt, passt aber nicht gleichermaßen für eine Kollegin mit 1,60 Meter und einen Kollegen mit 1,95 Meter. Wer zu klein ist, arbeitet mit angehobenen Schultern, wer zu groß ist, mit gebeugtem Nacken. Dazu kommt das stundenlange Stehen auf hartem Hallenboden.

Maschinenbedienung und Werkstückwechsel

Ein Maschinenbediener legt Rohteile ein und entnimmt fertige Werkstücke. Die Teile liegen in Gitterboxen, die unteren Lagen nur mit tief gebeugtem Oberkörper erreichbar. Jedes Werkstück wiegt einige Kilogramm, über die Schicht kommen schnell mehrere Tonnen bewegtes Gewicht zusammen.

Instandhaltung

Instandhalter arbeiten dort, wo die Maschine es zulässt, nicht dort, wo es ergonomisch wäre. Sie knien unter Anlagen, arbeiten über Kopf oder verdreht in engen Zwischenräumen und setzen dabei Werkzeuge mit hohem Kraftaufwand oder Vibration ein. Weil Störungen ungeplant auftreten, bleibt kaum Zeit, Hilfsmittel vorzubereiten.

All diese Beispiele zeigen, warum die gleiche Tätigkeit nicht jeden Mitarbeitenden gleich belastet. Körpergröße, Alter, Trainingszustand und bereits vorhandene Beschwerden entscheiden mit darüber, ob eine Belastung gut kompensiert wird oder zu Beschwerden führt.

Warum erreichen Gesundheitsangebote gewerbliche Mitarbeitende selten?

Viele Angebote im betrieblichen Gesundheitsmanagement sind für Büroangestellte gedacht. Rückenkurse nach Feierabend, Online-Portale, Zuschüsse zum Fitnessstudio oder ein Gesundheitstag einmal im Jahr. Für einen Kommissionierer im Schichtbetrieb sieht die Realität anders aus. Nach acht Stunden körperlicher Arbeit, einer langen Pendelstrecke und mit Familie zu Hause bleibt für den Rückenkurs am Abend weder Zeit noch Energie.

Das Ergebnis kennen viele HR- und BGM-Verantwortliche. Die Angebote werden vor allem von denjenigen genutzt, die ohnehin gesundheitsbewusst leben. Die Mitarbeitenden mit der höchsten körperlichen Belastung erreicht man dagegen kaum.

Der Grund liegt darin, dass sich gewerbliche und kaufmännische Mitarbeitende in fast allem unterscheiden, was für Gesundheitsangebote wichtig ist. Ein Programm, das in der Verwaltung gut funktioniert, geht an der Halle deshalb fast zwangsläufig vorbei.

Unterschiedliche Risikogruppen brauchen unterschiedliche Maßnahmen

Auch innerhalb der gewerblichen Belegschaft ist der Bedarf sehr unterschiedlich. Schaut man genauer hin, zeigt sich in vielen Betrieben ein ähnliches Bild. Die Mehrheit ist beschwerdefrei. Ein Teil, schätzungsweise jeder Fünfte, hat erste Beschwerden, arbeitet aber normal weiter und gleicht die Schmerzen aus. Ein kleinerer Teil, etwa jeder Zehnte, hat wiederkehrende oder chronische Beschwerden und ist konkret ausfallgefährdet. Dazu kommen diejenigen, die bereits krankgeschrieben sind oder gerade an den Arbeitsplatz zurückkehren.

Muskel-Skelett-Erkrankungen Präventionsmaßnahmen

Die Kosten entstehen vor allem in den oberen beiden Gruppen. Der größte Hebel liegt aber in der Mitte. Wer erste Beschwerden hat, lässt sich mit vergleichsweise wenig Aufwand auffangen, bevor daraus eine Krankschreibung wird. Genau diese Mitarbeitenden melden sich allerdings selten von selbst und nutzen kaum ein allgemeines Kursangebot.

Deshalb funktioniert das Gießkannenprinzip in der MSE-Prävention nicht. Ein einheitliches Programm für alle ist für die Beschwerdefreien oft überflüssig, für die Ausfallgefährdeten zu unspezifisch und für die gewerbliche Belegschaft insgesamt zu weit weg vom Arbeitsalltag. Wirksam wird Prävention erst, wenn sie zwischen kaufmännischen und gewerblichen 

Mitarbeitenden unterscheidet und innerhalb der gewerblichen Belegschaft jede Risikogruppe mit passenden Maßnahmen erreicht.

Kurze Checkliste: Was eine hohe BGM-Nutzungsquote voraussetzt

Aus der Erfahrung in Produktions- und Logistikbetrieben lassen sich einige Bedingungen ableiten, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

  1. Das Angebot findet während der Arbeitszeit statt. Was in die Freizeit fällt, wird im gewerblichen Bereich kaum genutzt.
  2. Es kommt an den Standort, idealerweise direkt in die Halle oder in einen Raum in unmittelbarer Nähe. Jeder zusätzliche Weg senkt die Teilnahme.
  3. Es passt zum Schichtmodell. Auch Spät- und Nachtschicht brauchen Termine, sonst fühlt sich ein Teil der Belegschaft ausgeschlossen.
  4. Die Hürde ist niedrig. Kein Anmeldeportal, keine lange Wartezeit, sondern ein kurzer Termin, der sich mit dem Schichtleiter abstimmen lässt.
  5. Der Nutzen ist schnell spürbar. Wer Schmerzen hat, will Hilfe bei seinem konkreten Problem und keinen allgemeinen Vortrag über gesunde Lebensführung.
  6. Gespräche bleiben vertraulich. Mitarbeitende müssen sicher sein, dass ihre Beschwerden nicht beim Arbeitgeber landen.
  7. Die Ansprache ist verständlich. Ohne Fachsprache und bei Bedarf in mehreren Sprachen, denn in vielen Lagern und Werken arbeiten Menschen aus unterschiedlichen Ländern.
  8. Schichtleiter und Vorarbeiter stehen dahinter. Wenn der direkte Vorgesetzte sagt „Geh ruhig hin“, ist die Hemmschwelle deutlich geringer als bei einem Aushang am Schwarzen Brett.
  9. Es gibt feste Ansprechpersonen. Vertrauen entsteht, wenn Mitarbeitende regelmäßig dieselbe Therapeutin oder denselben Therapeuten sehen.

Sind diese Bedingungen erfüllt, wird Prävention vom Zusatzangebot zu einem selbstverständlichen Teil des Arbeitsalltags.

Welche Lösungsansätze für MSE-Prävention funktionieren in Produktion, Fertigung und Logistik?

Wirksame MSE-Prävention folgt dem TOP-Prinzip aus dem Arbeitsschutz. Zuerst werden Belastungen technisch reduziert, dann organisatorisch, und erst danach setzt man beim einzelnen Mitarbeitenden an. Individuelle Maßnahmen ersetzen also keine ergonomische Arbeitsgestaltung. Sie greifen dort, wo sich Belastungen nicht vollständig wegkonstruieren lassen, und das ist in Lager und Produktion fast überall der Fall.

Muskel-Skelett-Erkrankungen individuelle Prävention

Technische Maßnahmen

  • Hebehilfen und Vakuumheber nehmen schwere Lasten ab.
  • Höhenverstellbare Arbeitstische passen die Montage an die Körpergröße an.
  • Im Lager liegen schwere und häufig gegriffene Artikel zwischen Hüft- und Brusthöhe.
  • Gefederte Fahrersitze reduzieren Vibrationen auf dem Stapler.
  • Anti-Ermüdungsmatten entlasten bei stehender Tätigkeit.

Organisatorische Maßnahmen

  • Job-Rotation zwischen stark und weniger stark belastenden Tätigkeiten verhindert, dass immer dieselben Muskelgruppen beansprucht werden.
  • Kurze Pausen über die Schicht verteilt wirken oft besser als eine lange Pause.
  • Taktzeiten und Leistungsvorgaben lassen Raum für eine saubere Bewegungsausführung.

Individuelle MSE-Prävention direkt am Arbeitsplatz

Hier geht es darum, jeden Mitarbeitenden dort abzuholen, wo seine persönliche Belastung liegt. Die Maßnahmen orientieren sich an den Risikogruppen aus dem vorherigen Abschnitt.

Belastungsanalyse vor Ort

Zu Beginn analysieren Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten die Bewegungsabläufe direkt vor Ort – sowohl an der Linie als auch im Lager. Die Belastungsanalyse ergänzt die bestehende Gefährdungsbeurteilung und dient als Grundlage für weitere Maßnahmen. Sie richtet sich damit an alle Mitarbeitenden.

Ergonomie-Coaching am Arbeitsplatz

Das Ergonomie-Coaching findet direkt an der jeweiligen Arbeitsstation und nicht im Seminarraum statt. Dabei wird praxisnah vermittelt, wie beispielsweise Lasten richtig aufgenommen, der Arbeitstisch optimal eingestellt oder ungünstige Rumpfdrehungen vermieden werden können. Das Angebot richtet sich sowohl an beschwerdefreie Mitarbeitende als auch an Personen mit ersten Beschwerden.

Gezielte Übungen

Mit gezielten Übungen werden kurze, auf die jeweilige Tätigkeit abgestimmte Programme angeboten, die nur wenige Minuten dauern und sich beispielsweise in Pausen oder vor Schichtbeginn durchführen lassen. Die Übungen werden an die unterschiedlichen Anforderungen der Tätigkeiten angepasst, sodass Kommissionierer beispielsweise andere Übungen erhalten als Monteure. Das Angebot steht allen Gruppen offen.

Physiotherapie am Standort

Für Mitarbeitende mit ersten Beschwerden oder erhöhtem Ausfallrisiko wird Physiotherapie direkt am Standort angeboten. Die 20- bis 30-minütigen Behandlungen können während der Arbeitszeit stattfinden und sollen Beschwerden möglichst frühzeitig behandeln, bevor daraus eine längere Arbeitsunfähigkeit entsteht.

Begleitung bei der Rückkehr

Nach einer längeren Erkrankung bietet die physiotherapeutische Begleitung bei der Rückkehr zusätzliche Unterstützung. Sie ergänzt das betriebliche Eingliederungsmanagement und richtet sich an Mitarbeitende, die nach einem längeren Ausfall wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.
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Alle Angebote sollten die Bedingungen für eine hohe Nutzung erfüllen, also während der Arbeitszeit, vor Ort und passend zum Schichtmodell stattfinden.

Betriebliche Physiotherapie als bewährter Ansatz

Ein Ansatz, der viele dieser Bausteine bündelt und sich in Produktions- und Logistikbetrieben bewährt hat, ist betriebliche Physiotherapie direkt am Standort. Wellnow bietet das mit Physicare an. Staatlich anerkannte Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten arbeiten während der regulären Arbeitszeit vor Ort. Mitarbeitende mit Beschwerden erhalten Einzeltermine von 30 Minuten, beschwerdefreie Mitarbeitende werden über Arbeitsplatzberatungen und Aufwärmeinheiten vor Schichtbeginn erreicht.

Ein Vorteil gegenüber vielen klassischen Angeboten ist die Messbarkeit. Ein standardisiertes Screening zu Beginn und ein Re-Test mit denselben Verfahren zeigen, wie sich Beschwerden und Beweglichkeit entwickeln. Nutzung und Ergebnisse werden anonymisiert und nach Bereichen zusammengefasst berichtet. Entscheidend bleibt, dass betriebliche Physiotherapie Teil eines Gesamtkonzepts ist und technische und organisatorische Maßnahmen ergänzt, nicht ersetzt.

Erkenntnisse zurück in die Verhältnisprävention fließen lassen

Der vielleicht größte Mehrwert individueller Prävention wird oft übersehen. Wenn mehrere Mitarbeitende an derselben Station mit Schulterbeschwerden in die Behandlung kommen, liegt das Problem vermutlich nicht beim Einzelnen, sondern am Arbeitsplatz. Diese Rückmeldung, anonymisiert an Arbeitssicherheit und Produktionsleitung weitergegeben, macht technische und organisatorische Maßnahmen gezielter.

Was bedeutet das für HR, Arbeitssicherheit und BGM?

MSE-Prävention funktioniert am besten, wenn HR, Arbeitssicherheit und BGM sie gemeinsam verantworten. Jede Funktion schaut dabei mit einem anderen Blick auf das Thema.

Für HR

Für HR stehen vor allem Fehlzeiten und die Personalverfügbarkeit im Vordergrund. Lange Ausfälle durch Bandscheiben- und Schulterbeschwerden sind schwer zu kompensieren, da erfahrene gewerbliche Fachkräfte knapp sind. Jeder vermiedene Langzeitfall entlastet die Schichtplanung und reduziert zugleich die Belastung für die Kolleginnen und Kollegen. Darüber hinaus ist ein spürbares Gesundheitsangebot direkt vor Ort ein überzeugendes Argument in der Personalgewinnung, das Bewerberinnen und Bewerber im gewerblichen Bereich nur selten von anderen Arbeitgebern hören.

Für die Arbeitssicherheit

Für Fachkräfte für Arbeitssicherheit bildet die Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG den Ausgangspunkt. Physische Belastungen sollten dabei systematisch erfasst werden, beispielsweise mit den Leitmerkmalmethoden der BAuA. Bei Tätigkeiten mit wesentlich erhöhter körperlicher Belastung ist arbeitsmedizinische Vorsorge anzubieten. Individuelle Prävention ergänzt dabei die technischen und organisatorischen Maßnahmen und kann zugleich wichtige Hinweise liefern, an welchen Arbeitsplätzen weiterer Handlungsbedarf besteht. Denn wer Schmerzen hat oder in seiner Beweglichkeit eingeschränkt ist, arbeitet häufig unkonzentrierter und weicht eher auf ungünstige Bewegungsmuster aus. Eine gezielte Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen kann somit nicht nur Beschwerden und Ausfälle reduzieren, sondern auch dazu beitragen, das Unfallrisiko zu senken.

Für das BGM

Für BGM-Verantwortliche ist die Nutzungsquote eine entscheidende Kennzahl, denn ein Angebot, das nur zehn Prozent der gewerblichen Belegschaft erreicht, wird kaum eine spürbare Wirkung auf die Fehlzeiten entfalten. Deshalb sollten von Anfang an relevante Kennzahlen erfasst werden, darunter die Teilnahme nach Bereichen und Schichten, die Entwicklung der Beschwerden bei den Teilnehmenden sowie die Entwicklung der AU-Daten im Zeitverlauf. Eine solche systematische Erfassung schafft die notwendige Grundlage, um die Wirksamkeit des Angebots zu bewerten und Budgets intern fundiert zu begründen.

Wie gelingt der Einstieg zu wirksamer MSE-Prävention?

Wer wissen möchte, wo im eigenen Betrieb die größten körperlichen Belastungen liegen, beginnt am besten mit einer Bestandsaufnahme und startet dann bewusst klein.

Folgen Sie diesen 5 Schritten:

  1. Den Gesundheitsbericht der Krankenkasse auswerten und auffällige Diagnosen und Bereiche identifizieren.
  2. Die vorhandene Gefährdungsbeurteilung auf physische Belastungen prüfen.
  3. Mit Schichtleitern und Mitarbeitenden sprechen, wo es im Alltag tatsächlich drückt.
  4. Einen Pilot an einem Standort oder in einem Bereich starten.
  5. Nutzung und Wirkung nach einigen Monaten bewerten und das Angebot schrittweise ausweiten.

Wellnow unterstützt Unternehmen aus Produktion, Fertigung und Logistik mit Physicare, also mit Belastungsanalysen, Physiotherapie, Ergonomie-Coaching und Übungsprogrammen direkt am Standort. Mehr zum Ablauf und die Möglichkeit für ein unverbindliches Erstgespräch finden Sie auf der Physicare-Seite.

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Häufige Fragen zu Muskel-Skelett-Erkrankungen am Arbeitsplatz

Was sind Muskel-Skelett-Erkrankungen?

Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) sind Erkrankungen und Beschwerden von Muskeln, Knochen, Gelenken, Sehnen und Bändern. Im Arbeitsleben sind vor allem Rückenschmerzen, Bandscheibenschäden sowie Schulter-, Knie- und Handbeschwerden relevant.

Welche Tätigkeiten in der Logistik sind besonders belastend?

Besonders belastend sind Kommissionieren, Be- und Entladen sowie Staplerfahren. Typisch sind Heben in ungünstigen Höhen, Rumpfdrehungen, gebückte Haltungen und Ganzkörpervibration.

Wer ist im Unternehmen für die Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen zuständig?

Rechtlich ist der Arbeitgeber verantwortlich, physische Belastungen in der Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG zu erfassen und Maßnahmen abzuleiten. In der Praxis wirkt Prävention am besten, wenn Arbeitssicherheit, HR und BGM sie gemeinsam steuern.

Warum nutzen gewerbliche Mitarbeitende Gesundheitsangebote seltener?

Viele Angebote finden außerhalb der Arbeitszeit oder digital statt. Schichtarbeit, fehlender PC-Zugang und Erschöpfung nach der Schicht verhindern die Teilnahme. Angebote während der Arbeitszeit und direkt am Standort erreichen deutlich mehr Mitarbeitende.

Ersetzt betriebliche Physiotherapie die ergonomische Arbeitsgestaltung?

Nein. Nach dem TOP-Prinzip haben technische und organisatorische Maßnahmen Vorrang. Betriebliche Physiotherapie ergänzt sie, behandelt Beschwerden frühzeitig und zeigt, welche Arbeitsplätze angepasst werden sollten.

Wie lässt sich der Erfolg von MSE-Prävention messen?

Über die Teilnahme nach Bereichen und Schichten, den Verlauf der Beschwerden bei den Teilnehmenden und die Entwicklung der AU-Tage. Der Gesundheitsbericht der Krankenkasse bietet dafür eine gute Ausgangsbasis.

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Über den Autor
Enno Kuntze
Gründer & Geschäftsführer

Widmet sich mit Leidenschaft den Themen Gesundheit und Zufriedenheit in Unternehmen. Er ist Geschäftsführer und Gründer von Wellnow, einer Serviceplattform für moderne BGM-Lösungen. Wellnow hilft Unternehmen zielgruppengerechte Angebote wie Massage am Arbeitsplatz direkt am Arbeitsplatz zu etablieren.

Enno Kuntze freut sich auf Ihr Feedback an enno.kuntze@wellnow.de oder über LinkedIn.

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